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Wir fahren also von Salta Richtung Nordosten immer auf die argentinisch/bolivianische Grenze zu. Da es schon Nacht ist, beschließen wir im Grenzstädtchen San Josè de Pocitos auf der hiesigen YPF-Tankstelle zu übernachten. Dort ist natürlich viel Betrieb und dementsprechend viel Lärm, was uns eine ziemlich unruhige Nacht beschert. Früh stehen wir am nächsten Morgen auf, denn wir wollen ja heute die Grenze zu Bolivien überqueren.

Als wir an der Grenzstation ankommen, trifft uns erst einmal der Schlag. Mindestens 50 LKW warten auf die Abfertigung und hinter den Schaltern haben sich riesige Menschenschlangen gebildet. Na, das kann sich ja nur um Stunden handeln, bis wir da unsere zwei Stempel zusammen haben... Offensichtlich handelt es sich bei dem Grenzübergang in Yacuiba um die Haupt-LKW-Route nach Bolivien und es ist dementsprechend viel Verkehr. Da hätten wir uns mal vorher genauer erkundigt... Etwas verwirrt stellen wir uns an einer der Schlangen an und werden auch prompt von einem ‘netten’ Herren angesprochen, der uns -für Geld natürlich- an den Anfang der Schlange bringen könnte. Wir lehnen aber ab: das schaffen wir schon selbst...

Nach ca. 2 Stunden sind wir dann durch: wir haben unsere Aus- bzw. Einreisestempel und unser Fahrzeugdokument in Händen. Kaum überqueren wir die Grenze, ändert sich das Straßenbild sofort vollkommen. Das kleine Städtchen ist furchtbar eng, die Straßen sind eigentlich nur Gassen und an jedem freien Plätzchen sitzt irgendein Mann oder eine Frau und verkauft irgendetwas aus sehr wackelig und schäbig aussehenden Ständen. Straßenhändler und Garküchen sind überall zu sehen und es herrscht ein buntes Treiben.

Man hat uns schon gewarnt, daß in Bolivien nahezu keine Straßenhinweise vorhanden sind. Deshalb sind wir an unserem GPS mit der neuen Karte doppelt froh. Wahrscheinlich würden wir sonst noch heute in Yacuiba herumirren.... Die nette Dame im kleinen Plastikgehäuse sagt uns also wo es langgeht und so verlassen wir Yacuiba Richtung Santa Cruz. Schon nach wenigen Kilometern werden wir von einer Polizeikontrolle gestoppt. Wir müssen unsere Fahrzeugpapiere vorlegen und gleich einmal Maut für den nächsten Streckenabschnitt bezahlen. Aha, das hatten wir so nicht erwartet. Da wir jedoch eine Quittung bekommen, gehen wir mal davon aus, daß das alles Rechtens ist. Als der Polizeibeamte dann aber auch noch 5 Bolivianos fürs Eintragen unserer Fahrzeugdaten will, ist uns sofort klar, daß dies nicht so im Gesetz steht. Da er uns keine Quittung anbieten kann, zahlen wir auch nicht. 

Da wir unterwegs keinen Platz finden, der uns sicher genug für einen Übernachtungsstopp ist, fahren wir die kompletten 550 km nach Santa Cruz an einem Stück. Immer wieder müssen wir an den Provinzgrenzen neu Maut bezahlen und mehr als einmal ist ein Gang zur Policia Camminera erforderlich, um unser Fahrzeugdokument vorzuzeigen. Jedesmal werden wir eingetragen, aber wir werden nicht mehr nach zusätzlichem Geld befragt. Die Fahrt führt hauptsächlich durch sehr ländliche Gegend, in der hauptsächlich Kleinbauern leben. Vor den schäbigen und heruntergekommenen Schuppen grasen Kühe, Pferde, Schweine, und Hühner und in den kleinen Gärten werden Orangen oder andere Früchte angebaut, die dann an der Straße verkauft werden. Ochsen- und Eselkarren fahren neben und manchmal auch auf der Straße. Wir fühlen uns komplett in der Zeit zurück versetzt: genauso muß es bei uns in Deutschland vor 100 Jahren ausgesehen haben. Der einzige Unterschied ist, daß die Technik in Form von Radios und Mopeds auch hier Einzug gehalten hat.   

Als wir in Santa Cruz ankommen ist es bereits Nacht und wir beschließen, auf dem hiesigen internationalen Flughafen zu übernachten. Wir zahlen ca. 70 Eurocent ‘Eintritt’ und parken auf dem Parkplatz. Im Flughafengebäude selbst befinden sich sehr schöne Toiletten, Geldautomaten und außerdem WIFI. Insgesamt gefällt es uns hier ganz gut, leider ist es aber wieder ziemlich laut, da auf einem Flughafen halt immer Betrieb ist.

Am nächsten Morgen geht es dann erstmal in die Stadt. Wir essen bei Burger King unseren ersten Burger seit einem halben Jahr!, kaufen kräftig ein und tanken den Landy auf. Von den Preisen sind wir begeistert, denn alles ist wirklich sehr günstig hier. Im Supermarkt gibt es sogar Wurstwaren, die von Deutschen und auch einem Österreicher hergestellt werden. Sogar Leberkäse gibt es! Wir decken uns also mit Rauchfleisch, Schinken und Leberkäse ein und machen uns dann auf den Weg nach Samaipata, das ca. 2 1/2 Fahrstunden von Santa Cruz liegt. Dort gibt es Ruinen eines prähispanischen Forts, das zum Weltkulturerbe ernannt wurde, und außerdem den Parque Nacional Amboro, indem es Bergregenwald zu bewundern geben soll.

Von Santa Cruz windet sich die mit Schlaglöchern übersäte Straße schließlich entlang eines Flusses immer höher hinauf. Wir durchfahren kleine Dörfer und auch kleine Flecken mit Wald. Schließlich erreichen wir das auf ca. 1600 m hoch gelegene Samaipata und fragen dort mal beim Hotel Landhaus, ob wir dort parken können. Eigentlich hat Georg keinen Platz für Campingfahrzeuge, doch für uns macht er einmal eine Ausnahme. Warum, wissen wir nicht so genau, vielleicht, weil unser Auto so klein ist oder weil wir so nett aussehen? Wir dürfen auf jeden Fall auf seinem privaten Parkplatz parken und machen es uns gleich gemütlich. Die Hotelanlage ist super hergerichtet und alles ist sehr gepflegt und sauber. Wir sind begeistert! Man sieht eben halt doch, daß da ein Deutscher am Werk ist. Georg ist vor 30 Jahren mit seiner ganzen Familie (2 Jungen) nach Bolivien ausgewandert. Zuerst haben sie eine Weile im Beni Tiefland am Fluß gelebt, sind dann aber nach Samaipata gezogen und haben die Hotelanlage hochgezogen. Georg ist sehr sympatisch und wir kommen ins Gespräch. Später lernen wir auch seine Schwiegertocher, die Enkelkinder und die bolivianischen Adoptivkinder kennen. Der Sohn ist momentan in Deutschland und arbeitet dort als Koch.       

Da wir uns erst einmal von den anstrengenden letzten beiden Tagen erholen wollen, machen wir erstmal 2 Tage gar nichts. Dann aber regt sich unser Unternehmungsgeist und wir fragen Georg nach dem Amboro Nationalpark. Er sagt, man könne durchaus selbst an einer Stelle einen Besuch unternehmen, doch er kenne einen guten Guide, der uns auch fährt. Da es wirklich nicht viel Geld kostet und wir den Landy nicht unnötig über Urwaldpisten quälen wollen sagen wir zu. Doch leider hat Xavier, der übrigens sehr gut Deutsch spricht, heute keine Zeit, denn er ist in die Stadt gefahren und hatte unterwegs eine Reifenpanne. Am nächsten Tag wird es auch nichts, weil er da andere Kunden hat, doch am 5 Tag in Samaipata soll es dann klappen. Leider regnet es heute jedoch kontinuierlich. Eigentlich würde ich bei diesen Bedingungen lieber nicht gehen, doch wir haben Xavier nun mal herbestellt und können ja nun schlecht absagen, oder? So fahren wir also los und hoffen unterwegs auf Wetterbesserung. Leider will es aber nicht aufhören mit Regnen und so schlittern wir auf glitschigen Wegen durch den dichten Wald. Viel sehen tun wir nicht, da wir viel zu sehr auf den Weg achten müssen, der sich wie Schmierseife anfühlt. Dann, nach ungefähr 40 Minuten Wanderung passiert es dann: hinter uns hören wir nur noch ein lautes Krachen, dann ein Fluchen und beim Umdrehen sehen wir (Xavier und ich) Steffen auf dem Rücken liegen. Er ist ausgerutscht und voll auf den Rücken gefallen. Beim Fall ist er dann auch noch auf das Stativ gefallen und hat sich den Handballen mit voller Wucht hineingerammt. Seine ganze Hand ist blutüberströmt und uns wird erst einmal ganz anders. Keiner hat ein Erste-Hilfe-Kit dabei und so muß Steffen die Wunde mit einem dreckigen Taschentuch abwischen. Der Schnitt ist eigentlich nicht riesig, aber sehr tief und blutet wie der Teufel. Uns ist sofort klar: wir müssen umdrehen. Hoffentlich schafft Steffen den ganzen Rückweg ohne umzukippen oder nochmals auszurutschen. Nun müssen wir also wieder hoch den Berg, was mir oftmals nur auf allen Vieren gelingt. Der Boden ist so rutschig, daß einfach kein Halt mehr zu finden ist. Steffen meistert es jedoch mit Bravour und so erreichen wir total klatschnaß, schhlammüberzogen und blutend (Steffen auf jeden Fall) wieder Xavier’s Auto. Der fährt uns dann sofort in die hiesige Klinik, wo Steffens Wunde gereinigt und genäht wird. Die Ärzte geben sich Mühe und die ganze Behandlung kostet inklusive Antibiotikum und Schmerztabletten nicht einmal 10 EURO. 

Wir sind ziemlich froh, als wir wieder im Landhaus in unserem Landy liegen. Da Steffen seine Hand erst einmal ruhig halten muß, bleiben wir noch mal 2 Tage länger im Landhaus. Während dieser Zeit versuche ich, die Schlammkrusten von unseren Klamotten zu entfernen und die Fotoausrüstung und Wanderschuhe wieder trocken zu bekommen. Gott sei Dank bessert sich das Wetter und so können wir alles trocknen. Die Aktion ‘Amboro’ können wir unter dem Motto ‘außer Spesen nichts gewesen’ abhaken. Fotografiert und gesehen haben wir nichts, dafür aber eine Schlammschlacht mit Verwundung eingehandelt. Als wir dann endlich das Landhaus verlassen, können wir uns kaum von Georg und seiner Familie trennen. Wir haben uns dort ziemlich eingelebt und wollen uns gar nicht mehr so recht in das bolivianische Chaos stürzen. Aber wir können ja nicht ewig hierbleiben und so verabschieden wir uns mit schwerem Herzen. Georg sagt uns nochmals, daß er eigentlich wirklich keine Camper aufnehmen kann, weil er einfach den Platz nicht hat. Wer also im Landhaus übernachten will, kann ein Zimmer oder auch eine ganze Ferienwohnung für wirklich sehr wenig Geld mieten.  

Wir machen uns auf den Weg zum Fort, damit wir wenigstens etwas von Samaipata und Umgebung gesehen haben. Diese Felsenruinen liegen strategisch sehr günstig auf einer kahlen Felskuppe, von wo aus man einen perfekten Blick in die umgebenden Täler hat. El Fuerte de Samaipata wurde zum UNESCO Weltkultuerbe und zu einem nationalen Denkmal Boliviens erklärt, die 260 ha große Gesamtanlage als Parque Eco-Arqueologico ausgewiesen. Wahrscheinlich war El Fuerte ein ehemaliger Kultplatz, der aber auch zusätzlich als Festung gedient haben könnte, dessen Ursprünge vermutlich auf präinkaische Zeiten zurück gehen.

Nach ca. 2-stündiger Besichtigung machen wir uns auf den Weg zurück nach Santa Cruz und quartieren uns ein zweites Mal auf dem Flughafen ein. Nochmals stocken wir unsere Vorräte auf und verlassen Santa Cruz in westliche Richtung. Wir wollen zuerst in San Javier eine der berühmten Missionskirchen besuchen und dann über Trinidad und die Llanos de Moxos nach La Paz fahren. Schon kurz nach Santa Cruz wird die Teerstraße deutlich schlechter. Tiefe Schlaglöcher befinden sich an unvorhersehbaren Stellen auf der Fahrbahn und machen die Fahrt mehr zu einem Slalom. Vom bolivianischen Tiefland sind wir bisher mehr als enttäuscht, denn wir hatten gehofft, wenigstens noch einige Fleckchen tropischen Regenwaldes zu sehen. Leider ist auch hier alles abgeholzt und die gerodeten Flächen wurden für groß angelegte Mais- und Zuckerrohrfelder oder aber für die Viehwirtschaft verwendet. Alles befindet sich in Privathand und niemand scheint dort etwas für den Umweltgedanken übrig zu haben. Richtung San Javier wird es ländlicher, aber auch dort reiht sich Estancia an Estancia und grasende Rindviecher zerstören auch hier die gesamte Vegetation.

Die Jesuitenreduktion in San Javier wurde 1691 von Jose de Arce gegründet und war somit die erste in Chiquitana. Nahezu alle Gebäude und Häuser wurden aus Holz gebaut, und durch die zwischen 1987 und 1993 vom Deutschen Hans Roth durchgeführten Restaurationsarbeiten, sind viele Bauwerke aus der alten Zeit wieder in gutem Zustand. Die Kirche von San Javier besteht vollständig aus Holz, besonders sehenwert sind die geschnitzten Holzsäulen und Verzierungen.

 

 

Zur Übernachtung fahren wir noch einige Kilometer Richtung Concepcion, denn dort wissen wir von einem netten Campingplatz an einer Lagune gelegen. Im Camping Las Piedras verbringen wir eine ruhige Nacht, teilen die Gegend aber mit vielen Moskitos und anderen Plagegeistern.

Weiter geht es am nächsten Tag Richtung Trinidad, das sich bereits im Beni Tiefland befindet. Dort können wir in einem Strandbad bei der Laguna Suarez kostenlos übernachten. Fotografisch gibt das leider nichts her, dafür gehören niedliche Katzenbabies zum Haus.

Am nächsten Tag überqueren wir dann den außerhalb von Trinidad gelegenen Rio Marmore auf einem Holzfloß, das von einem kleinen Boot mit Außenborder angetrieben wird. Allein schon die Abfahrt auf die Fähre ist ziemlich abenteuerlich....

Nachdem wir den Rio Marmore glücklich überquert haben, geht es durch von Sümpfen und Seen unterbrochene Savanne in die Llanos de Moxos. Die Llanos de Moxos sind ein Savannengebiet, das zur Regenzeit regelmäßig überschwemmt wird (ähnlich dem Pantanal in Brasilien). Jetzt, zur Trockenzeit, ist die staubige Holperpiste aber gut zu befahren und wir sehen unzählige Störche, Reiher, Kormorane, Ibisse, Löffler und auch Greifvögel. In den zahlreichen Tümpeln sehen wir oft Kaimane, die am Ufer oder auch im Wasser geduldig auf Beute lauern. An manchen Stellen führt die Piste durch kleinere Waldstücke, wo wir schon mal einen Tukan oder Papagei sehen.

 

 

Am schönsten ist die Strecke zwischen dem Rio Tijamuchi und San Ignacio de Moxos. Nach dem staubigen Örtchen ist kaum mehr Schwemmland zu sehen und rechts und links der Strecke sieht man nur Estancias und grasende Kühe. Von hier an wird die Strecke immer schlechter und die staubige Lehmpiste verwandelt sich in übles staubiges Wellblech mit zusätzlichen Schlaglöchern. Doch der tapfere Landy quält sich weiter und weiter, so daß wir langsam immer höher kommen und am Abend  schon die die Yungas (ein niedrigeres Vorgebirge der Andenkette) sehen können. Bei einem kurzen Stopp merken wir nun auch, woher das komische Klappern auf dem Dach herkommt: 4 der 8 Dachträgerfüße unter dem Dachzelt waren durchgebrochen oder zumindest angerissen. Kein Wunder, bei der üblen Straße! Steffen sichert die abgebrochenen Füße notdürftig mit Kabelbinder und so hoffen wir, es noch bis nach La Paz zu schaffen.     

Da es ziemlich heiß ist, beschließen wir zumindest noch ein Stück in die Berge zu fahren, um etwas an Höhe zu gewinnen (was wiederum kühlere Temperaturen bedeutet). Die Sonne ist schon am Untergehen, als wir kühlere Regionen erreichen. Die letzten Sonnenstrahlen brechen durch den dichten Wald und wir müssen einen kurzen Fotostopp einlegen. Zwischen Yacumo und Carnavari halten wir dann auf ca. 800 m direkt neben der Straße, da wir keinen besseren Platz finden können. Weil wir uns aber nicht besonders sicher fühlen, opfert sich Steffen und verbringt die Nacht auf dem Fahrersitz, jederzeit abfahrbereit.

Wir brauchen den ganzen nächsten Tag für die relativ kurze Strecke von ca. 120 km bis nach Coroico. Die Straße ist so schlecht, daß wir nur 30 km pro Stunde fahren können. Nach Carnavari wird es jedoch etwas ‘urwaldiger’ und wir fahren durch herrliche Stücke Regenwaldes. Obwohl es schon wochenlang nicht mehr geregnet hat, ist die Straße hier feucht und ziemlich matschig, weil kleine Flüsschen über die Straße fließen. Wir fahren auf sehr schmaler Piste direkt am Abhang entlang und passieren Flüße und sogar Wasserfälle. Schon das eine oder andere Mal hoffen wir, daß uns niemand entgegen kommt - vor allem keine Lastwagen, die natürlich auch hier ständig unterwegs sind. Hier kommt so richtig ‘Camel Trophy-Feeling’ auf.   

 

 

Am nervenaufreibendsten ist dann jedoch die Fahrt durch das Coroico Tal am Rio Coroico entlang. Dort windet sich die einspurige Straße ohne Leitplanken direkt am Steilufer des Flusses entlang. Das wäre nicht so schlimm, wenn die Piste nicht so kurvig wäre und riesige Busse und Lastwagen nicht wie die Irren um eben diese Kurven rasen würden. Oft können wir gerade noch im letzten Moment auf eine der Ausweichstellen hinausfahren, um dem Stärkeren Platz zu machen. Dazu kommt noch, daß die Strecke von sehr feinem Staub bedeckt ist, der in die allerkleinsten Ritzen eindringt (sogenannter Bulldust). Alle Fahzeuge wirbeln also so starke Staubwolken auf, daß man wie durch dichtesten Nebel fährt. Wenn man überholt wird, muß man erst einmal ein paar Sekunden warten, bis man wieder einigermaßen klare Sicht hat. Als Konsequenz ist sämtliche Vegetation entlang der Strecke von einer dicken, braunen Staubschicht bedeckt. Also nicht besonders ansehnlich. Aus diesen Gründen sind wir froh, als wir dann endlich das auf 1750 m Höhe gelegene Coroico erreichen. Mit dem Landy kämpfen wir uns durch die sehr engen Gassen des kleinen Städtchens bis zum Hotel Esmeralda. Natürlich finden wir es wieder nicht ohne nachfragen, da es -wie immer in Bolivien- absolut keine Beschilderung gibt. Oder, wenn es denn doch Schilder gibt, sie mit Wahlplakaten zugeklebt sind. Und wehe dem, der diese wieder abmacht! Erschöpft quartieren wir uns auf dem kleinen Parkplatz des Hotels ein, von wo wir einen tollen Blick auf die umgebenden Täler und die nach La Paz führende Serpentinenstraße durch die Yungas hinauf haben. Schon bald nachdem wir es uns gemütlich gemacht haben, finden sich innerhalb kurzer Zeit 4-5 Hunde ein, die sich nicht mehr von uns wegbewegen wollen. Sie betteln nicht, sondern sind einfach nur da und bewachen uns. Sobald jemand am Landy vorbei läuft, den sie nicht kennen, schlagen sie Alarm und machen einen mords Krawall. Aufgrund unserer persönlichen Leibgarde fühlen wir uns sehr sicher und beschließen, noch eine weitere Nacht zu bleiben.

Da Steffens Wunde an der Hand vor 7 Tagen genäht wurde, ist es nun an der Zeit die Fäden zu entfernen. Steffen macht kurzen Prozess und entfernt sie selbst mit Pinzette und Schere. Die Wunde hat sich nicht entzündet und sieht Gott sei Dank gut aus.  Außer sauberen Duschen und einem Pool hat das Hotel auch noch einen zahmen Papagei, der sich von den Besuchern gerne ablichten läßt, zu bieten.

Am nächsten Tag verabschieden wir uns von Coroico und machen uns auf den Weg die Yungas hinauf nach La Paz, der am höchsten gelegenen Großstadt der Welt. Innerhalb von 70 km legen wir eine Höhendifferenz von 2300 Metern zurück. Wir erreichen die wichtigste Stadt Boliviens (Hauptstadt ist Sucre, aber Regierungssitz befindet sich in La Paz) über den Vorort Villa Fatima, der auf 4100 m über dem Meer liegt. Von dort aus geht es immer bergab hinunter in den Talkessel, in dem sich das eigentliche La Paz befindet. Der Verkehr ist jedoch chaotisch und die Streckenführung total ungewohnt. Gott sei Dank haben wir ja aber die Dame im Platikkästchen, die uns zumindest so ungefähr in die richtige Richtung lockt. Leider schickt sie uns manchmal buchstäblich in eine Sackgasse und wir müssen irgendwie wieder umdrehen und die richtige Straße wiederfinden. Endlich haben wir den Talkessel auf 3100 m erreicht und fahren in Richtung Mallassa zum Hotel Oberland. Kurz vor Mallassa tauchen plötzlich bizarre Lehmformationen am Straßenrand auf, die uns total begeistern. Von hier aus hat man einen tollen Blick auf La Paz

Wir stehen gerade an einer Kreuzung und versuchen herauszufinden, welche Straße wir nehmen müssen, als ein uns sehr bekanntes Fahrzeug vor uns in den Kreisverkehr einfährt. Wir können es kaum glauben, als wir Armin und Marisol in Ihrem Nissan Pick-up hier wiedertreffen. Wir halten an und erfahren, daß auch sie zum Oberland wollen und so fahren wir gemeinsam die letzten Kilometer zum allseits bekannten Overlander-Treff, der sich unter schweizerischer Leitung befindet. Als wir im Oberland ankommen befürchten wir schon, daß wir wieder abfahren müssen, denn schon mindestens 8 weitere Fahrzeuge sind im kleinen Campinggelände geparkt. Es ist jedoch kein Problem und so wird schnell für unsere beiden Fahrzeuge Platz gemacht.

 

Es ist gerade Mittagszeit, also genau die richtige Gelegenheit einmal wieder ein Wiener Schnitzel mit Pommes zu essen. Auf der Karte gibt es natürlich auch Züricher Geschnetzeltes, Fondue und auch Raclette. Alles was das europäische Camperherz nach fast einem halben Jahr Entbehrungen begehrt. Wir fühlen uns wie im Schlaraffenland und lassen es uns erst einmal gut gehen. Die übrigen Reisenden im Oberland sind ein bunt gemischtes Völkchen. Viele Schweizer aber auch andere Deutsche, Franzosen, Holländer, Österreicher, Australier und sogar ein Irländer sind da. Auch Kanada und Neuseeland ist vertreten. Fahrzeuge sind ebenfalls aller Art zu bewundern. Vom großen MAN-LKW mit Action-Mobile-Ausbau bis zum kleinen Landy oder alten VW-Bully ist alles vertreten. Eines haben jedoch fast alle gemeinsam: alle haben etwas zu schrauben und zu reparieren. Die südamerikanischen ‘Straßen’ fordern einfach ihr Tribut. Ja richtig, auch wir haben da ja ein kleines Problem mit unserem Dachträger. Inzwischen sind 6 von 8 Trägerfüßen komplett gerissen und, hätte Steffen sie nicht die Kabelbinder gesichert, hätten wir das Dachzelt wahrscheinlich unterwegs verloren. Also machen wir uns auf die Suche nach einem Schweißer, der uns die Träger wieder einigermaßen dauerhaft ‘reparieren’ kann. Wir finden einen nur 2 Straßen weiter und er will umgerechnet etwa 15 EUR dafür. ‘Ein guter Deal’ denken wir und demontieren das Dachzelt, die Markise und sämtliche Träger mit tatkräftiger Unterstützung der anderen Overlander. Am Abend haben wir unsere geschweißten Träger wieder in Händen: nicht schön aber selten. Halten müßte die ganze Angelegenheit jetzt auf jeden Fall für den Rest der Reise.

Da es uns im Oberland so gut gefällt bleiben wir noch 2 Tage länger und genießen das gute Essen und ich mache einen Ausflug in das nahegelegene Valle de la Luna. Im Mondtal ragen bizarre Erd- und Steintürme, ähnlich den Bisti Badlands in New Mexico, in den Andenhimmel. Diese seltsamen Formationen entstanden über Jahrtausende durch Erosion und Klimagegensätze.

Nach 4 Tagen Oberland wollen wir eigentlich weiterreisen. Doch dann kommt eine Anfrage eines Kalenderverlages herein und wir dürfen eine Auswahl an Bildern zusammenstellen, was noch einige Tage dauern wird. Schließlich bleiben wir fast 10 Tage in La Paz und arbeiten die meiste Zeit am Computer. Den Rest der Zeit verbringen wir mit anderen Overlandern oder behandeln unseren schon tagelang andauernden Durchfall. Komischerweise haben nicht nur wir Problem, sondern fast jeder andere im Camp auch. Wir fragen uns nach der Ursache, sind es evtl. die Toiletten, das Essen oder das Wasser? Aber Leute die nur auf ihre eigene Toilete im Camper gehen haben es, Leute, die nur selbst kochen, haben es und auch wir, die Wasser noch aus Salta in ihrem Tank haben, haben Durchfall. Nach 10 Tagen und keiner Besserung in Sicht haben wir einfach das Gefühl, daß wir hier verschwinden müssen, wenn wir uns wieder besser fühlen wollen. Zusätzlich zum Durchfall haben wir uns auch noch eine Erkältung eingefangen, die bei Steffen gerade auf dem Höhepunkt zu sein scheint. Wir fahren ein letztes Mal mit dem Taxi in die Stadt, geben unsere DVD bei DHL zum Versand nach Deutschland auf und verfolgen im hiesigen Burger King die 1. Halbzeit des WM-Spiels Deutschland-Ghana, bei dem das heimische Team gar nicht gut aussah. Somit verzichten wir auf eine 2. Halbzeit Aufregung und gehen statt dessen in die Einreisestelle, um unser Visum zu verlängern.

Am nächsten Tag geht es dann aber endgültig weiter. Wir reisen zusammen mit Vincent, einem Franzosen, der ebenfalls im Landy (gleiches Baujahr wie wir) fährt. Eigentlich ist er mit seiner Freundin auf Weltreise, doch die macht im Moment Urlaub in Frankreich. Zusammen fahren wir von La Paz über Oruro nach Challapata, wo wir dann auf eine üble Holperpiste nach Salinas de Garci-Mendoza abbiegen. Das gemeine an dieser Strecke ist, daß eine fast fertig asphaltierte Straße direkt neben abenteuerlichen Umleitungen verläuft. Wir müssen also auf achsbrechenden Wellblechpisten herumfahren, während daneben eine perfekte Straße wäre an der niemand arbeitet. Wie dem auch sei; spät am Abend des zweiten Tages erreichen wir nach Fahrt eines 4x4 Tracks den Nordeingang des Salars de Uyuni bei Tahua. Wieder einmal ein hoch auf das GPS, denn sonst hätten wir diese Stelle mit Sicherheit nicht gefunden.                

Die Sonne steht schon recht tief, als wir uns dann tatsächlich auf den Salar machen. Der Salar de Uyuni ist wirklich einzigartig. So weit das Auge reicht nur weißes Salzmeer, keine Straßen, absolut nichts. Die Fahrt ist wie auf einer Asphaltstraße, kein Geschüttel, kein Gerüttel - welch eine Wohltat. Wir folgen nur unseren GPS-Koordinaten zur Isla Incahuasi und halten dann mitten auf dem Salar an, um die Weite zu genießen.

 

 

Mit den letzten Sonnenstrahlen erreichen wir dann die Insel, auf der zahllose, bis zu 12 m hohe und sehr alte Kakteen  (bis zu 1200 Jahre alt) wachsen und außerdem eine endemische Chinchilla-Art leben soll. Wir suchen uns einen sicheren Platz auf fester Salzkruste und ich mache mich auf Fotomotivsuche. 

Nach Sonnenuntergang richten wir uns schnell für die Nacht ein. Sobald die Sonne untergegangen ist, wird es frisch und Steffen fühlt sich nicht besonders (Stirnhöhlenvereiterung). Wir stellen uns also auf eine kalte Nacht ein und sind gespannt wie wir und der Diesel die Nachttemperaturen überstehen werden. Vorsichtshalber haben wir schon mal schräg nach Osten geparkt, damit die Morgensonne gleich auf die Motorhaube und die rechte Seite des Landys, wo sich die Dieselpumpe befindet, scheinen kann. Höhenkrank sind wir Gott sei Dank nicht, aber wir haben uns ja auch 10 Tage in La Paz akklimatisieren können. Dort war es in den letzten Tagen tagsüber angenehm warm und nachts hat es nur wenig unter Null gehabt. In der Nacht schlafen wir gut und das Thermometer sagt uns am nächsten Morgen, daß es ‘nur’ 5 Grad minus gehabt hat. Im Innenraum des Landys hat es noch 10 Grad, was mit unseren warmen Schlafsäcken absolut kein Problem ist.

Vor Sonnenaufgang stehe ich bereits wieder auf um die Aufnahmen im ersten Morgenlicht zu machen.  

Anschließend frühstücken wir gemütlich und lassen uns von der Morgensonne aufwärmen. Vincent gesellt sich später zu uns und erzählt, daß er bereits eine Wanderung um die Halbe Insel hinter sich hat. Wir suchen noch eine Weile nach den Chinchillas, doch werden leider nicht fündig. Um die Insel zu betreten muß man Eintritt bezahlen und wir denken, daß sich die Viecher hauptsächlich im ‘Bezahlbereich’ aufhalten. Später am Tag fahren wir dann nach GPS zur Insel Pescado, einer deutlich größeren Insel, wo es einen geschützten, schönen Campspot bei einer Höhle geben soll. Nach ein bißchen Suchen finden wir ihn auch und richten uns dort häuslich ein. Abends begebe ich mich wieder auf Fotomotivsuche. Glücklicherweise sind tagsüber Wolken aufgezogen, so daß wir bei Sonnenuntergang ein sagenhaftes Farbspiel am Himmel bewundern können. 

Auch unsere zweite Nacht auf dem Salar wird nicht allzu kalt. Es ist etwas kühler als am Tag zuvor, aber nichts besorgniserregendes. Beide Fahrzeuge springen realtiv normal an (ja, beide haben genau das gleiche Problem bei Kälte) und so fahren wir gegen Mittag über das Salzmeer Richtung Uyuni. Unterwegs stoppen wir kurz an einem alten Salzhotel, um uns die Bauweise etwas genauer anzusehen. Es ist wirklich sehr interessant wie Tische, Stühle, ja sogar Schränke aus Salzblöcken bestehen. Alles wirkt sehr bizarr, durch bunte Decken und Teppiche aber auch wieder sehr gemütlich. Direkt vor dem Salzhotel befinden sich viele Länderflaggen, unter anderem auch zwei Deutsche. Als ich ein Bild vom Fahnenmeer mache, höre ich, wie ein Engländer sich in ziemlich verächtlichem Ton beklagt, daß eine ‘bloody’ German Flag hier sei und keine britische. Ich überlege noch ob ich fragen soll, was diese abfällige Bemerkung soll und was an einer Deutschen Flagge falsch sei, als mir einfällt, daß die Deutschen im WM-Gruppenspiel gegen England gespielt haben. Sollten die Engländer etwa verloren haben? 

 

 

Nach der Besichtigung des Salzhotels erreichen wir schnell Colchani und dann auf sehr schlechter Wellblechpiste (eine Frechheit!) Uyuni. Kurz vor dem Ortseingang befindet sich eine Waschstraße, wo wir das Auto waschen lassen wollen. Dabei wird das Salz mit Hochdruck abgespült und anschließend der gesamte Unterboden noch mit Diesel behandelt um weitere Korrosionsschnäden zu vermeiden. Dabei muß man sich vorstellen, daß die ganze Prozedur mit Hand durchgeführt wird und der Typ mit dem Diesel außer einem Overall und einer Skimütze nichts an Schutzkleidung besitzt. Aus arbeitsschutzrechtlicher Sicht ein absolutes Unding, aber hier in Bolivien denkt sich keiner was dabei. Auch Vincent läßt seinen Landy reinigen und anschließend verabschieden wir uns von ihm. Während wir nach Uyuni nämlich zurück nach Oruro und dann nach Cochabamba und Santa Cruz fahren, will er die Lagunenstrecke und weiter nach San Pedro de Atacama fahren.

Nach Reinigung des Landys fahren wir ins Dorf Uyuni um unsere Vorräte aufzufüllen. Vergeblich durchkämme ich das Dorf nach einer Bäckerei und will schon aufgeben, als ich ein bekanntes Auto entdecke. Auch ein Landy und zwar aus der Schweiz. Ja, wir haben Michael und Käthi im Oberland in La Paz getroffen und sie sind zusammen mit einer deutschen Familie (Alex, Susi und Jakob) im Iveco-Camper einen Tag vor uns losgefahren. Eigentlich hatten wir gehofft, die beiden Fahrzeuge auf dem Salar zu treffen, denn Vincent wollte eigentlich mit ihnen zusammen die Lagunenstrecke fahren. Jetzt haben sie sich leider ganz knapp verpasst. Schade... Wie sich herausstellt, werden die beiden aber doch noch nicht so schnell den Salar verlassen, denn der Kühler des Ivecos ist dank der tollen Holperpisten in die Brüche gegangen. Alex und Michael haben den Kühler ausgebaut und nun will Alex mit dem Bus nach La Paz zurück und einen neuen Kühler besorgen. Das kann Tage dauern und ob Vincent so lange warten wollte? Wie dem auch sei, es ist sowieso zu spät. Wir unterhalten uns noch eine Weile und verabschieden uns dann von den beiden Männern. Die Frauen und Jakob (2 Jahre alt) sind im fahruntüchtigen Iveco auf dem Salar geblieben. Wir müssen schon sagen: Wir finden es einfach super, wie Michael und Käthi den Gestrandeten helfen! Kurz vor Abfahrt können wir dann doch noch von einer Straßenhändlerin Brot kaufen und machen uns dann von dannen. Uyuni gefällt uns überhaupt nicht und so wollen wir wirklich keine Nacht in diesem desolaten Ort verbringen. Wir fahren also wieder nach Colchani zurück und folgen der Straße immer Richtung Norden wieder Richtung Challapata. Wir müssen einmal unterwegs in der Pampa übernachten, bevor wir am nächsten Morgen Challapata und wieder Asphalt erreichen. Die Piste von Uyuni nach Challapata ist eine der schlechtesten, die wir je gefahren sind und raten deshalb jedem davon ab. Wer seinem Auto etwas Gutes tun will, macht um diese Strecke einen weiten Bogen. Außerdem muß relativ gegen Ende ein ziemlich großer Fluss durchquert werden, der jetzt schon ziemlich viel Wasser hatte. Wir können uns vorstellen, daß diese Stelle bei Regen schnell unpassierbar wird.

Von Challapata fahren wir dann also weiter über Oruro und dann Richtung Osten nach Cochabamba. Die Strecke ist ziemlich abwechslungsreich und wir fahren immer mal wieder durch Täler und dann wieder über Pässe so auf 3900 bis 4100 m Höhe. Dann jedoch bricht der Höhenzug ab und wir fahren in steilen Serpentinen hinab, bis wir unten im Tal endlich Cochabamba erreichen. Schon unterwegs beim stetigen Bergabfahren und Bremsen merkt Steffen, daß da irgend etwas nicht stimmt. Wir fahren aber trotzdem weiter, denn wir haben uns irgendwann mal vorgenommen, nicht mehr auf jedes Klappern zu hören. Es macht einen nur unnötig verrückt. In Cochabamba an der Tankstelle schaut Steffen dann aber doch nach und stellt mit Schrecken fest, daß wir bei einem Rad (hinten links) die Bremsbeläge fast verloren haben. Die Sicherungen der Bolzen, die die Bremsbeläge auf den Sätteln fixieren sollen sind durch das Gerüttel abvibriert und die Bolzen herausvibriert worden. Die Beläge hängen nun irgendwie lose herum. Sie haben sich jedoch so in den Sätteln verdreht, daß je eine Ecke der 2 Bremsbeläge begonnen hat, das Aluminium der Felge abzudrehen. Zwei schöne Einstiche sind schon zu erkennen. So können wir auf keinen Fall weiterfahren - was also tun? Nun, versuchen eine Werkstatt zu finden, was sich in dieser Stadt als schwierig herausstellt. Es gibt zwar viele Werkstätten, doch die sehen alle sehr abgehalftert aus und wir haben kein Vertrauen, daß die uns irgendwie helfen können. Sie sind mehr auf Ölwechsel denn auf Bremsen eingestellt. Eine Frau sagt uns allerdings, daß es irgendwo einen Bremsenspezialisten geben muß. Wir verbringen nun also den ganzen Nachmittag damit, diesen Bremsenspezialisten aufzutreiben. Mindestens 5 Mal werden wir die Staße hinauf und hinunter geschickt, ohne erfolgreich zu sein. Wir fahren ständig im Kreis und können den Laden einfach nicht finden. Schließlich fragen wir verzweifelt bei einem Schrotthändler und auch er sagt, daß hier kein Bremsenspezialist sei. Wie durch Zufall sehen wir dann aber doch 3 Häuser weiter eine kleine Bude mit verrottetem Schild ‘Casa de Frenos’.  Na also! Nicht einmal die Nachbarn scheinen hier zu wissen, was der andere tut!

Der Mechaniker nimmt das Rad ab und sofort ist zu sehen, daß Bremsbeläge und auch die Bremsscheibe schon sehr mitgenommen sind. Trotzdem können wir sie noch verwenden, wenn wir eine Möglichkeit finden, die Beläge wieder zu fixieren. Ziemlich schnell wird jedoch klar, daß die richtigen Bolzen nicht auf die Schnelle aufzutreiben sind und so benutzt der findige Bolivianer lange Nägel. Um ein Herausrutschen zu verhindern biegt er sie am Ende um und so sollte eigentlich nichts mehr passieren. Wir bedanken uns bei ihm und zahlen ihm sage und schreibe 1 EUR für seine Arbeit! Das sind Preise von denen wir in Deutschland nur träumen können. Da es schon sehr spät ist und wir keine Übernachtungsmöglichkeit in Cochabamba kennen, quartieren wir uns auf dem internationalen Flughafen ein. Dort gibt es auch WIFI und wir können mal wieder E-Mails checken und die Fußballergebnisse nachschauen. Sofort sehen wir, daß meine Vermutung bezüglich des Ergebnisses des letzten Deutschlandspiels ganz richtig war. Deutschland hat gegen England ziemlich hoch gewonnen und die Briten an die Wand gespielt. Kein Wunder war der Typ auf dem Salar nicht gut auf die deutsche Flagge zu sprechen. Bei uns hebt sich die Stimmung jedoch beträchtlich und wir verbringen eine ganz gute Nacht auf dem Flughafen.

Am nächsten Tag starten wir früh Richtung Samaipata. Ja, wir wollen nochmals bei Georg und seiner Familie einen Stopp einlegen, bevor wir wieder nach Santa Cruz fahren. Die Strecke ist nach Cochabamba zunächst noch geteert, wird dann jedoch immer löchriger und am Schluß ist es nur noch eine üble Holperpiste. Wir hören ein neues klapperndes Geräusch am Landy und versuchen der Sache auf den Grund zu gehen. Schlußendlich meinen wir herauszufinden, daß die Nägel halt laut klappern, da der Durchmesser nicht genau passt und sie und auch die Bremsbeläge etwas Spiel haben. Hoffentlich haben wir recht...  Wir fahren gerade durch ein Stück noch erhaltenen Waldes, als plötzlich 5 in Tarnfleckuniform gekleidete Figuren mit Maschinengewehren und Macheten aus den Büschen hüpfen. Wir erschrecken ganz schön und denken ‘werden wir jetzt ausgeraubt?’ Es stellt sich jedoch heraus, daß es ‘nur’ Militärpolizei ist, die Fahrzeuge auf Drogen durchsuchen. Ganz schön lustig, wenn man bedenkt, daß wir gerade durch eines der Koka-Hauptangebiete fahren...  Fleißig wird von einem kokablätterkauenden Polizisten mit dicker Backe das Fahrzeug durchsucht.Wie dem auch sei, es wird nichts gefunden und wir dürfen, nachdem wir einige Fragen beantworten mussten, wieder weiterfahren. Offensichtlich suchen die nach dem ‘weißen Zeug’ (Kokain).

Weiter geht es dann hinab wieder durch die Yungas, bis wir bei Comarapa wieder Asphalt erreichen. Wir durchfahren eine wüstenartige Kakteenlandschaft (sehr interessant, aber wie immer eingezäunt und privat) bis wir dann ca. eine Stunde später Samapiata erreichen. Wir klingeln wieder beim Landhaus und dürfen uns gerne wieder an unserem ‘alten’ Platz einquartieren. Wir freuen uns, die ganze Familie wiederzusehen und aus den geplanten 2 Nächten werden wieder einmal 3. Das liegt aber daran, daß wir auf keinen Fall das nächste Deutschlandspiel verpassen wollen. Georg ist nämlich begeisterter Fußballfan und sein Herz schlägt immernoch für Deutschland. In einem schönen Aufenthaltsraum hat er einen Fernseher und Beamer aufgebaut, wo die ganze Familie und Freunde immer alle Spiele verfolgen. Gestern haben wir Brasilien gegen Holland verlieren sehen und heute hoffen wir, daß Deutschland gegen Argentinien ähnliches gelingt. Viele Menschen sind zum Spiel versammelt. Einige Gäste, Georgs ganze Familie, einige Freunde und sogar der deutsche Botschafter (ein Bekannter von Georg) ist annwesend. Das Spiel erweist sich zunächst als ziemlich spannend und ich halte die Aufregung nicht aus. Also verdünnisiere ich mich und lese im Landy um mich abzulenken. Auch Georg kann nicht zuschauen - er durchwandert sein Anwesen und verfolgt das Spiel alleine in seinem Haus. Plötzlich höre ich aus dem Fernsehraum lauten Jubel und ein Gegröle und mir ist klar, daß ein Tor gefallen ist. Von wem ist allerdings nicht zu erkennen, denn unter den Zuschauern sind auch einige Bolivianer, die natürlich für die Argentinier fiebern.... Es sollte dann noch dreimal mehr gejubelt werden und ich meine Steffens Stimme unter den Feiernden ausmachen zu können. Sollte Deutschland etwa in Führung liegen und die armen Argentinier an die Wand spielen? Ich muß also nachschauen und sehe daß sich Steffen und der deutsche Botschafter in den Armen liegen. Das ist ein gutes Zeichen, oder? Und tatsächlich: das Spiel ist aus und Deutschland steht im Halbfinale. Großmaul Maradonna und seine Truppe weinen sich die Augen aus, während Jogi und seine Mannen hemmunglos jubeln. Wir im fernen Bolivien übrigens auch! 

Da es erst Mittag ist, machen wir uns gleich nach dem Spiel wieder auf den Weg. Nach herzlicher Verabschiedung fahren wir wieder einmal die uns nun schon vertraute Straße von Samaipata nach Santa Cruz, wo wir mal wieder auf dem Flughafen übernachten. Morgen soll es weiter auf der sogenannten Missionsstrecke über Concepcion und San Ignacio de Velasco nach Caceres in Brasilien gehen. Vor der Strecke haben wir einigen Respekt, denn es handelt sich dabei um fast 500 km Schotter- und Erdpiste. Auch handelt es sich bei der Strecke um eine der Hauptrouten für Drogenschmuggler. Wir hoffen, daß unsere provisorischen Bremsen und auch unser frisch geschweißter Dachträger die Holperei überstehen und wir wohlbehalten in Brasilien im Pantanal ankommen werden.

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