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Wie im letzten Reisebericht angekündigt, befinden wir uns auf dem Cassier Highway Richtung Norden. Schon nach 13 Meilen machen wir  einen kurzen Abstecher zur Indianer-Siedlung Gitanyow (früher Kitwancool), denn dort befindet sich eine der dichtesten Konzentration von Marterpfahlen im ganzen nordwestlichen British Columbia.

 

Weiter auf dem Cassier Highway sehen wir einige Tiere am Straßenrand, wie z. B. ein Kragenhuhn und Schwarzbären. Auch eine  Elchkuh mit Jungem läuft uns über den Weg, aber wir können leider kein Bild davon machen.

 

Nach 98 Meilen auf dem Cassiar biegen wir auf die Stewart-Hyder Access Road ab, passieren den Bear Gletscher und erreichen,  nach einer abwechslungsreichen Fahrt durch die Gletscherwelt BC’s, das kleine Städtchen Stewart und im weiteren Verlauf  Hyder. Die beiden Städtchen sind nur wenige Meilen von einander getrennt, dennoch befindet sich Steward in Kanada und Hyder  in Alaska/USA. Gezahlt wird auf beiden Seiten mit beiden Währungen und auch der Grenzübertritt nach Alaska erweist sich als  unspektakulär. Es gibt nämlich keine Grenzkontrolle nach Alaska - wieso auch? Außer nach Hyder und einer Erdstraße zum  Salmon Gletscher ist hier sowieso Endstation. Auf der Rückfahrt, beim Grenzübertritt nach Kanada wird man aber gefilzt. Man  könnte ja weiß Gott was aus Hyder nach Kanada rüberschmuggeln...  Hier der Landy vor dem Bear Glacier und beim Grenzübertritt nach Hyder:

 

Man könnte wirklich meinen, in Hyder sei die Welt stehengeblieben. Überschreitet man die imaginäre Grenze (wie gesagt eine  Grenzkontrolle gibt es in diese Richtung nicht), ändert sich so ziemlich alles. Die Teerstraße wandelt sich zur üblen Erdstraße,  schmucke Häuschen verwandeln sich in halbverfallene Hütten.... und irgendwie sieht alles ziemlich verlassen aus...  etwa wie in  einer Geisterstadt. Später erfahren wir, daß Hyder sich ‘die freundlichste Geisterstadt der Welt’ nennt - Name ist also Programm.  Noch sind wir aber nicht am Ziel, denn wir suchen den Fish Creek, wo um diese Zeit langsam Schwarz- und Grizzlybären beim Lachsfischen zu beobachten sein sollen.

Da es in Hyder nur eine Kreuzung gibt, fällt uns die Wahl nicht schwer und  wir holpern die Salmon Glacier Road entlang. Nach nur 20 Minuten erreichen wir die Beobachtungsplattform und machen uns auf  Bärenbeobachtungspirsch. Leider ist aber nichts zu sehen und wir fahren die Schotterstraße weiter Richtung Salmon Glacier. Von anderen Reisenden  haben wir erfahren, daß man dort nämlich umsonst übernachten kann - also nicht’s wie hin. Wir passieren Wasserfälle und tosende Flüsse, fahren  streckenweise durch üppigen Regenwald. Das Wetter ist schlecht, doch je mehr wir uns den Berg hinaufwinden, desto besser wird es.

 Vom Gipfel aus hat man einen tollen Blick auf den Gletscher, der übrigens der größte mit dem Auto erreichbare Gletscher Nordamerikas ist. Er befindet  sich jedoch wieder in British Columbia, also Kanada. Irgendwo unterwegs überschreitet man wieder (unbemerkt) die Grenze.    

 

 

 

Nach einer eisigen Nacht bringt der nächste Morgen einen schönen, wolkenlosen Tag. Wir fotografieren zuerst am Gletscher und  fahren die Erdstraße noch weiter zu einem zweiten Gletscher. Hier türmt sich der Schnee jetzt Anfang Juli noch beinahe  meterhoch am Straßenrand. Gott sei Dank befindet sich am Ende der Straße eine Miene, so daß die Mienenarbeiter dafür sorgen, daß auch dieses Stück geräumt wird.

 

Später am Tag fahren wir wieder ins Tal zur Beobachtungsplattform hinunter. Hier wollen wir auf jeden Fall die nächsten Tage  verbringen und Bären fotografieren. Leider entwickelt sich die Geschichte nicht wie gewünscht. Wir sind noch zu früh in der Saison  und es sind noch zu wenig Lachse und deshalb auch keine Bären da. Trotzdem ist unsere Stimmung gut, denn am nächsten Tag  kommt der erste Lachs (wurde gefeiert wie ein Geburtstag) und es stellt sich auch gleich eine Grizzlybärin (später erfahren wir, daß sie ‘Mira’ heißt) ein, die neugierig den Bach auskundschaftet.

 

Dies wiederholt sie genau 3 Tage hintereinander und sie verschwindet dann spurlos - für ganze 2 Wochen. Gott sei Dank ist die  Warterei hier ausnahmsweise mal keine Geldfrage, denn wir können im National Forest übernachten - kostenlos. Am Anfang ist  der Gedanke alleine, mitten im Bärengebiet zu übernachten etwas beängstigend, aber wir gewöhnen uns daran. Man muß eben  gewisse Regeln einhalten um Bären nicht anzulocken. Nachfolgend ein Bild von unserem ‘Campingplatz im Grünen’ und Steffen beim Warten....

 

An der Plattform tut sich nicht viel. Ab und zu schaut mal ein Schwarzbär vorbei und versucht einen Fisch zu fangen ... jedesmal  erfolglos. Auch mit veränderter Taktik ändert sich nichts am Ergebnis. Weder Fangversuche im Wasser noch vom Ufer wollen  gelingen. Uns tut der arme Bursche fast schon leid, als er jedes Mal ohne Beute wieder abwandern muß. Außer dem ‘Schwarzen’ tut sich aber leider nichts... 

 

Nach über 2 Wochen Warten auf den 1. Catch, sind wir mehr als ein bisschen frustriert. Wären da nicht die vielen netten  Fotografen und Filmer, die zum Teil schon seit 20 Jahren hierher kommen und den ganzen Sommer hier verbringen, wäre uns die  Lust bestimmt schon früher vergangen. So reden wir halt viel und erfahren, was in den vergangenen Jahren so abgegangen ist -  und daß die Bären alle Namen haben. Ed und Lorna aus Spokane z. B. verbringen jeden Sommer hier und kennen alle Bären mit Namen.

 Gott sei Dank gibt es um die Plattform herum einiges an Getier, dem wir uns fotografisch widmen können. So schauen z. B. ab  und zu einige Gänsesäger-Familien (für Nichtornitologen: das sind die ‘Enten’)  vorbei, direkt an der Plattform befindet sich ein  Biberdamm, Rothörnchen fressen an Blättern herum und diverse Singvögel wie z. B. Wanderdrosseln und Winterammern trällern ihr Lied.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach fast 2 1/2 Wochen in Hyder haben wir immernoch kein Foto von einem fischenden Grizzly und wir beschliessen am  Nachmittag, daß wir am nächsten Morgen abreisen werden. Wir rechnen schon nicht mehr damit, daß etwas passieren wird, als  plötzlich Mira (die Bärin vom Anfang) wieder auftaucht. Sie liefert einen tollen ersten Auftritt. In vollem Gallopp prescht sie durch  den Fluss und....fängt einen Lachs. Wir können es kaum glauben! Endlich tut sich etwas! Mira bleibt noch ca. 1 Stunde, in der sie etwa 3 Fische fängt und auch genüßlich frißt.

 

Von diesem Tag an ändert sich alles. Abends schaut noch ein Grizzlymännchen namens ‘Jaws’ vorbei und am nächsten Tag ein  weiteres namens ‘Dog Bear’. Mira hat regelmäßige Auftritte, Monica zeigt sich zum ersten Mal und auch ein junges, ca. 3 Jahre altes Männchen, bringt Leben in die Bude. Seht selbst:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Um die Plattform herum zeigen sich nun auch die ‘ortsansässigen’ Weißkopfseeadler öfter. Zusammen mit den erfolglosen  ‘Fischern’ im schwarzen Fell fressen sie die übriggebliebenen Kadaver.

 

Es ist jetzt jeden Tag etwas los und wir bekommen schließlich einige der Bilder, die wir uns gewünscht haben. Nach fast 4  Wochen Fish Creek beschließen wir, daß wir am nächsten Tag weiterfahren wollen. Schließlich wollen wir noch durch den Yukon  und in’s ‘richtige’ Alaska. Jaja, ich weiß: Hyder gehört auch zu Alaska. Theoretisch stimmt das schon, aber: 1. ist es wirklich am  südöstlichsten Zipfel Alaskas und 2. ist dieser Ort wirklich auch von der Regierung total im Stich gelassen. Kein Dollar wird in  diese Enklave gesteckt und alles verfällt und verkommt, wenn nicht die Einwohner Hyder’s selbst danach schauen. Während wir  dort waren, wurde z. B. die Straße zum Gletscher, die wir auch gefahren sind, während einer Flut komplett vom Fluss  weggeschwemmt. Die Straße würde nie wieder gerichtet, wären da nicht die Mienenarbeiter, die dafür sorgen müssen, daß ihre  Miene weiterhin produzieren kann. Vom Saat ist hier kein Geld zu erwarten. Ja, es gibt hier nicht einmal eine Polizei, weshalb die  Einwohner das selbst in die Hand nehmen (?) Hier hat schließlich jeder mindestens eine Waffe. Wir haben sogar gehört, daß in  Hyder einige Straffällige leben, die in den ‘Lower 48’ gesucht werden, und hier sozusagen ‘abgetaucht’ sind... 

 Mittlerweile haben wir die Ranger, die alle Einwohner von Hyder sind, und auch all die Fotografen und Besucher, die längere Zeit  dort sind, liebgewonnen. Man hat sich aneinander gewöhnt und Freundschaften geschlossen. Der Abschied fällt uns schwer und  dennoch müssen wir los. Schließlich können wir nicht noch im September hier sein...

 

Also machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg, den Cassier Highway hinauf in den Yukon. Um Vorräte und Diesel  aufzustocken, fahren wir nach Watson Lake, das sich bereits am Alcan (Alaska Highway) befindet. Watson Lake ist bekannt für  seinen Schilderwald, an dem Besucher aus aller Welt ein Schild aus ihrer Heimat anbringen können. Über 61000 Schilder hängen  dort bereits. Uns ist sofort das Schild vom Landkreis Esslingen aufgefallen - Schwoba trifft ma au iberall. Da es bereits ein  weiteres Schild aus Reudern/Kreis Nürtingen und auch ein Reutlinger Autokennzeichen gibt, beschließen wir, daß kein weiterer  Schwabengruß nötig ist. An diesem Abend übernachten wir an einem lauschigen Plätzchen an einem tollen See am Alcan - und das ganz umsonst.

 

Schon seit Tagen ist es unerträglich heiß - auf bis zu 38 °C steigt das Thermometer. Es wird Hitzerekord um Hitzerekord  gebrochen und Einheimische wie Reisende stöhnen unter den ungewohnten Temperaturen. Da die Sonne bis um 11.00 Uhr  abends erbarmungslos scheint, bekommen wir die Hitze kaum aus unserem Landy heraus. Erst gegen 2.00 Uhr nachts kühlt es  etwas ab und wir können ein paar Stündchen schlafen. Auf das Schlafen im Dachzelt verzichten wir der Bären wegen... Wegen der  Trockenheit gilt ‘Total Fire Ban’, es darf also kein Feuer -welcher Art auch immer- gemacht werden. Der Beweis, daß dies  notwendig ist, zeigen hunderte zum Teil sehr großer Waldbrände, die gerade in Alaska wüten.

 Auf der weiteren Fahrt durch den Yukon finden wir weitere lauschige Plätzchen direkt am Alcan. Man muß eben etwas abseits fahren...

 

Der Alcan zieht sich unendlich dahin, bis wir schließlich am 31.07. den Grenzübergang Port Alcan erreichen.

 

Mit dem Grenzübertritt, der übrigens absolut problemlos verläuft, ändert sich auch schon das Wetter. Es ist bewölkt und kühler  und wir können nur hoffen, daß wir nicht unseren kompletten ‘Schönwetterbonus’ aufgebraucht haben. Darüber könnt Ihr dann im  nächsten Bericht lesen... Bis denn, macht’s gut und viele Grüße von Steffen, Alex und den allgegenwärtigen Moskitos........ 

 

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