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Wir sind jetzt schon über eine Woche in Bosque und beschäftigen uns fast ausschließlich mit Kranichen und Schneegänsen. Eigentlich wollen wir abreisen, doch die nächste Nacht ist Vollmond und das Wetter soll gar nicht so schlecht sein. Deshalb beschließen wir, noch einen Tag zu bleiben. Aus dem einen Tag werden dann drei und das Wetter wird kontinuierlich schlechter. Für's Wochenende ist sogar ein Schneesturm vorhergesagt, der beträchtliche Schneemengen bringen soll. Deshalb beschließen wir, endlich das Weite zu suchen und uns in wärmere sprich niedriger gelegene Gebiete aufzumachen. Eigentlich wollten wir noch in die Gegend um Sedona aber auch da soll es schneien. Also was tun? Nun, wir fahren einfach direkt nach Tuscon in Arizona. Wir haben im Internet eine kleine Werkstatt aufgetrieben, die auf englische Fahrzeuge, also auch Landrover, spezialisiert ist und hoffentlich nicht so teuer ist wie eine Vertragswerkstätte. Nein, der Landy ist nicht kaputt (zumindest nicht kaputter als immer), aber er braucht wieder mal Ölwechsel. Da diesmal nicht nur der Motor dran ist (das kann Steffen selber machen), sondern alle anderen Öle auch, sprich Getriebe, Vorgelege und Achsen, wollen wir dort mal reinplatzen. Falconworks ist ein kleiner Laden (wir fahren fast daran vorbei), doch der Besitzer ist, wie alle anderen Mitarbeiter auch, sehr nett. Sie haben die richtigen Originalöle, (was unsere größte Sorge war, denn die sind nicht so einfach in den Läden erhältlich) und können am Landy gleich am nächsten Tag arbeiten. Klasse!! Während Rose Mary und David die Nacht in einem Resort verbringen, wo wir gar nicht bleiben dürfen, weil wir nicht groß genug sind!!!!!, schlafen wir bei Walmart. Am nächsten Tag geht's wieder zu Falconworks und, während die Jungs am Landy schrauben, können wir im Aufenthaltsraum surfen und am Computer arbeiten. Nach ca. 3 Stunden ist der Landy fertig: knappe 300 Dollar kostet der Ölwechsel. Das ist ein super Preis! Wir sind zufrieden und verabschieden uns von den netten Jungs bei Falconworks. Diese kleine Werkstatt können wir allen Defender-Besitzern nur empfehlen, denn die Jungs haben auch von Defendern eine Ahnung (unser war allerdings der erste TD5, was aber kein Problem war).

Wir verlassen Tuscon und treffen uns mit Rose Mary und David auf dem hiesigen Campingplatz im Tuscon Mountain Park, ganz in der Nähe des Saguaro National Parks. Der Platz ist toll gelegen und so verbringen wir dort insgesamt drei Tage. Während dieser Zeit filmt und fotografiert Steffen Schopfwachteln und andere Kleinvögel, die uns fast ins Auto hüpfen, so zahm sind sie. Abends ist dann Saguaru-Fotgrafie angesagt. Das schlechte Wetter folgt uns auch nach Tuscon, und so haben wir die gesamten drei Tage heiter bis wolkiges Wetter (was ziemlich ungewöhnlich ist). Wolken ergeben aber oft einen tollen Sonnenuntergang, wie Ihr hier sehen könnt.

Leider ist nun aber die Zeit des Abschiedes gekommen. Rose Mary und David wollen zu David's Bruder nach San Francisco und wir nach Anza Borrego, um den Rest der Zeit bis wir den Landy beim Verschiffer abgeben müssen, günstig zu verbringen. Ja, wir haben beschlossen, den Landy nach Chile zu verschiffen, um dann das nächste Jahr in Südamerika zu reisen. Haben wir das noch nicht erzählt?

Wir verabschieden uns von den beiden und die Tränen stehen uns (und ihnen auch) in den Augen. Die Zeit zusammen mit den Beiden war unglaublich schön und wir haben uns richtig an sie gewöhnt. Wir wissen jetzt schon, daß wir sie sehr vermissen werden, aber dieser Tag mußte ja mal kommen. Schweren Herzens sehen wir die beiden abfahren, während wir noch unsere letzten Siebensachen zusammenpacken. Bei strömendem Regen und orkanartigen Böen verlassen wir Tuscon und fahren immer nach Westen. Nach zwei Tagen Fahrt komen wir dann in Borrego Springs an. Es ist beinahe wie ein Heimkommen, denn wir kennen uns hier ja schon gut aus. Jetzt muß erstmal geduscht und Wäsche gewaschen werden. Dazu quartieren wir uns für eine Nacht im hiesigen State Park-Campingplatz ein, der viel zu teuer ist, für das was er bietet. 25 US-Dollar für einen Campingplatz ohne Strom (der kostet 35,--) und die Duschen kosten noch extra. Uns wundert nicht, daß der Platz fast leer ist, denn in der Wüste kann man umsonst campen und die hiesigen privaten RV-Resorts sind auch nicht teurer. Beim Zahlen jammert uns die Rangerin noch vor, daß  Governor Schwarzenegger gnadenlos Mittel gestrichen hat, weshalb alle Ranger nur noch halb so viele Stunden arbeiten wie früher, was wiederum zur Folge hat, daß alle Einrichtungen (auch das Visitor-Center) nur zeitweise bemannt sind. Außerdem sei für diese Zeit viel zu wenig los. Da können wir nur sagen: bei den Preisen ist es ja auch kein Wunder, das keiner kommt.

Nachdem wir uns und die Wäsche gereinigt haben, suchen wir uns einen Platz in der Wüste, wo wir die nächsen Tage verbringen wollen. Wir verbringen die Zeit mit Arbeiten am Rechner und dem Erkunden der Gegend. Auf dem Parkplatz des Visitor Centers treffen wir Christine und Peter aus Deutschland, die wir schon einmal kurz in Alaska getroffen haben! Klein ist die Welt! Die beiden touren in einem absolut atemberaubenden MAN-Lastwagencamper durch die USA. Christine erzählt uns auf jeden Fall total begeistert, daß sie Dickhornschafe im Palm Canyon gesehen hat. Dazu muß man sagen, daß das etwas Besonderes ist, denn die Peninsula Bighorn Sheep sind sehr bedroht  und genießen in Anza Borrego einen besonderen Schutzstatus. Von ihrer Begeisterung angesteckt, beschließen wir, uns am nächten Tag auch auf den ca. 3 km langen (einfach) Trip zu begeben.

Früh am Morgen starten wir und treffen – wie der Zufall so will – Christine und Peter wieder. Auch sie wollen nochmal nach den Schafen sehen. Gemeinsam gehen wir los und es dauert nicht lange, bis wir auf eine ziemlich große Herde stoßen. Wir bleiben einige Stunden dort und mit der Zeit gewöhnen sie sich an uns. Ja, sie kommen so nahe ran, daß wir sie sogar streicheln könnten – was wir natürlich nicht tun. Hier ein paar Bilder von den Schafen:

Später laufen auch wir den Weg noch zur Palmenoase, die dem Canyon seinen Namen gegeben hat. Unterwegs sehen wir zahlreiche Ocotillos, eine spirrelig aussehende Kaktusart, die auch im Winter blüht. Deshalb sind Ocotillos die Hauptnahrungsquelle der Kolibris, die das ganze Jahr in der kalifornischen Wüste verbringen. Jetzt sind die Ocotillos noch nackt, wenn es aber regnet, treiben sie schnell grüne Blätter aus und erhalten so ein frisches Aussehen.  Da es erst vor 3 Tagen geregnet hat (man erinnere sich an den Regen mit Orkanböen) fließt im Bach in der Nähe der Palmoase sogar Wasser! Ein seltenes Schauspiel, das in der trockenen, steinigen Gegend etwas unwirklich wirkt.

Mittlerweile wissen wir, daß wir den Landy schon am 23.12. in Long Beach abgeben müssen. Eigentlich dachten wir, wir könnten die ganze Angelegenheit nach Weihnachten erledigen, denn das Schiff verläßt erst am 08. Januar den Hafen. Leider ist das jedoch durch die vielen Feiertage nicht möglich. Das heißt für uns: Weihnachten ohne den Landy, dafür in Mietwagen und Zelt. Die restlichen paar Tage verbringen wir mit Organisieren, Bildern bearbeiten und dem Versuchen, ansehnliche Bilder von einem fliegenden Kolibri zu machen. Das ist wirklich nicht einfach, kann ich Euch sagen. Die Viecher sind so wahnsinnig schnell und sind meist nur Bruchteile von Sekunden an der selben Stelle. Da hat das Autofokus keine Chance – außer man hat einmal Glück und der Vogel erwischt eine besonders ausgiebige Futterquelle. Die folgenden beiden Bilder sind von einem wunderschön leuchtenden männlichen Costa's Hummingbird, das Weibchen ist 'nur' grün-braun.

Dann ist der Tag der Wahrheit gekommen: Morgen müssen wir den Landy abgeben und wir müssen ihn noch putzen und – vor allem – umpacken. Alles, was wir in den nächsten Wochen brauchen muß raus und das was drin bleibt so verstaut werden, daß man es möglichst nicht sofort sieht. Wir wollen ja keine Diebe anlocken. Der Landy kommt zwar in einen versiegelten Container, aber man weiß ja nie....

Nach einem übervollen Tag fallen wir dann am Abend des 22.12. totmüde ins Bett und verbringen die letzte Nacht im Landy. Natürlich schlafen wir nicht gut, denn der folgende Tag wird noch aufregender. Doch eigentlich war die Aufregung umsonst: der Agent hat alles gut vorbereitet und auch im Packschuppen klappt alles tadellos. Um fast genau 12.00 Uhr am 23.12. sind wir 'landylos', dafür aber mit Miewagen. Nach fast einem Jahr nur im Landy staune ich, wie ruhig sich so ein  normaler PKW doch fahren läßt.

Nun, was tun? Bei Walmart kaufen wir ein billiges Zelt für 38,-- US-Dollar und fahren auf Highway No. 1 die Küste entlang nach Norden. Die erste Nacht im Mietwagen wollen wir eigentlich auf einem Parkplatz nördlich von Santa Monica verbringen. Im Auto natürlich, denn ein Zelt aufbauen ist hier unmöglich. Es gibt zwar auch Campingplätze am Strand, doch die kosten 20 US-Dollar und befinden sich direkt am Highway. Da hätten wir im Zelt sowieso kein Auge zugetan – außerdem ist es saukalt. Doch überall ist das Parken über Nacht verboten und ein Sheriff schickt uns mitten in der Nacht weiter. Um 4.00 Nachts fahren wir dann weiter nach Norden, bis wir am 24.12. nachmittags die See-Elefanten-Kolonie bei San Simeon erreichen. Es ist jetzt Fortpflanzungszeit und die Männchen kämpfen um die Gunst der Weibchen. Gleichzeitig werden auch schon die ersten Jungen geboren, so daß es zahllose Foto- und Filmmotive gibt.

Es stellt sich wieder die Frage des Übernachtens, doch wir finden eine große Parkbucht, an der kein 'Parken Verboten'-Schild steht. So verbringen wir den Heiligen Abend im Auto, auf einem häßlichen Parkplatz, immer auf der Hut vor einem Sheriff. Traurige Stimmung kommt auf, so ganz ohne Familie und unter diesen Bedingungen. Aber was soll's – der Landy ist halt weg und alles ist terminlich etwas dumm gelaufen. Da müssen wir jetzt halt durch. Nächstes Weihnachten sieht wieder anders aus. Wenigstens lassen uns die Sheriffs in Ruhe und so sind wir am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang wieder bei den See-Elefanten.

Am Nachmittag fahren wir von San Simeon weiter die Küste entlang nach Norden, denn wir wollen noch einmal zum Julia Pfeiffer-Burns State Park, wo wir im Frühjahr schon einmal waren. Damals war das Wetter leider so nebelig, daß wir keine guten Bilder vom Wasserfall und der atemberaubenden Küste machen konnten. Abends ist das Licht ganz gut - hier sind die Ergebnisse:

Noch in der Nacht fahren wir wieder zurück auf unseren alten Parkplatz bei San Simeon, denn wir wollen morgens früh wieder bei den See-Elefanten sein. Nachdem wir eine Weile geparkt sind, stellt uns doch tatsächlich wieder ein Sheriff zur Rede! Wir können es wirklich nicht glauben – haben die denn nichts Besseres zu tun? Zum Beispiel Verbrecher jagen? Nun, der Sheriff sagt zwar nicht, daß wir da nicht bleiben können, fragt uns aber, ob wir was getrunken haben! Nachdem ich etwas verständnislos dreinschaue erklärt er, daß an Weihnachten oft Betrunkene herumfahren und Randale machen. Ich versichere ihm, daß wir nichts getrunken haben und über die Gesetzeslage im Zusammenhang mit Drogen in den USA informiert sind. Wie gesagt, er hat uns nicht weggeschickt, aber irgendwie haben wir auf dieses ganze Zeug keine Lust mehr. Eigentlich dachten wir, ein normaler PKW wäre viel unauffälliger und es wäre kein Problem darin zu schlafen. Daß diese Annahme falsch ist, müssen wir nun schmerzhaft feststellen. Ein über Nacht parkender PKW ist anscheinend eher verdächtig und lockt die Gesetzeshüter magisch an. Wir haben genug und quartieren uns halt schweren Herzens auf dem Campingplatz im San Simeon State Park ein. Der billigere Teil des Camps – ohne Strom und Duschen – kostet 'nur' 20,-- US-Dollar und ist – und nun kommt es: genau 5 Tage geöffnet, nämlich vom 22.12. bis 26.12.09. Also, der Governor (Schwarzi) muß hier ja wirklich gnadenlos Mittel gestrichen haben!

Die ganze Sheriff-Geschichte über die Weihnachtsfeiertage hat uns die Freude an der kalifornischen Küste ziemlich vermiest und so beschließen wir, diesen unwirtlichen Ort zu verlassen. Zurück nach LA fahren wir dann über die Berge, da stört es keinen, ob man über Nacht parkt oder nicht (Gott sei Dank). Da wir am 28.12. nochmal einen Termin beim Agenten haben, können wir leider nicht gleich nach Anza Borrego zurück und verbringen 2 Tage in den Bergen, in denen es saukalt wird. Das Thermometer sinkt unter den Gefrierpunkt. Auf der Rückfahrt nach LA machen wir noch einen Zwischenstop in Pismo Beach, wo um diese Jahreszeit Monarchfalter in einigen wenigen Waldstücken überwintern. Monarchfalter sind leuchtend orange-gefärbte Wanderfalter, die im Herbst nach Süden, sprich Kalifornien und Mexiko wandern um dort zu überwintern. Leider sind nicht viele Falter da, doch ein Paar 'Ballen'  sind zu sehen. Ein Falter hat's leider nicht geschafft und liegt leblos am Boden.

 

Nach dem Besuch beim Agenten können wir endlich zurück nach Anza. Wir suchen uns einen schönen Platz für unser Zelt in der Wüste und genießen, nach dem Trubel an der Küste, die Ruhe. Hier werden wir die nächsten 10 Tage verbringen, bis wir dann am 09. Januar in den Flieger nach Iquique/Chile steigen. Am Abzweig von der Teerstraße grüßt uns sogar eine Art Weihnachtsbaum.

 

 

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